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Babylon

Der Turm von Babylon

Der Turm von Babylon

Die Stadt Babylon:
Das Babylon Nebukadnezars II., das am Euphrat und an zwei großen Kanälen gelegen war, bildete mit gut 8km Umfang ein schräg gestelltes Viereck von 2,6:1,5 km Seitenlänge, dessen eines Drittel als Neustadt westlich des Flusses lang und durch eine – noch von Herodot bewunderte – Brücke mit der Altstadt verbunden war.

Es wurde von doppelter Stadtmauer und Wallgraben geschützt; die innere und höhere Hauptmauer hieß „Imgurenlil (Enlil hat erhört)“, die äußere Nemettienlil (Sitz Enlils). Nebukadnezar II. ließ in weiterem Umfang von etwa 18km von Nordost bis Süd noch eine weitere Befestigungsmauer aufführen, hinter der die Landesbevölkerung in Notzeiten Schutz suchen konnte und die seinen neuer bauten „Sommerpalast“ und den Neujahrstempel im Norden sichern sollte.

Acht große Tore führten in die Stadt, deren Heiligkeit sich schon in ihren Namen ausdrückte: Sie alle hießen ebenso wie die zu ihnen führenden, sich rechtwinklig schneidenden Straßen nach den großen Göttern des Landes.

Das war in der Mitte der Nordmauer Nebukadnezars Prachtwerk, das in strahlendem Blau der glasierten Ziegel schimmernden und mit den farbigen Großreliefs von Stier, Löwe und Schlangengreif geschmückte Ishtar-Tor, unweit davon das Tor des Sin, in der Ostmauer das von Marduk und Zababa, im Süden das Enlil-, Urasch- und Schamaschportal und in der die Neustadt abschließenden Westmauer endlich die dem Adad geweihte Toranlage.

In der Stadtmitte, am östlichen Euphratufer, erhob sich das Zentralheiligtum des Landes mit dem sumerischen Namen „Esangila (Haus der Haupterhebung)“ und seinem Stufenturm „Etemenaki (Haus der Gründung Himmels und der Erde)“ mit der „Heiligen Pforte“, die auf der Marduk-Nergalstraße von Osten her Eintritt zum Vorhof der Zikkurat gewährte. Esangila besaß als Kern zwei Terrassen und sechs in einen zentralen Hof gelagerte Kapellen; die östlichste davon war das Allerheiligste, die westlichste enthielt Marduks Thron und goldenes Bett, während die übrigen für dem göttlichen Hausherrn besonders nahestehende Gottheiten wie etwa seinen Sohn Nebo und dessen Gemahlin Taschmetu, bestimmt waren. Zwei weitere Platzterrassen mit Kapellen für Ishtar, Zababa usw. schlossen sich an diesem inneren Komplex an.

Nebenan, nach Norden zu, ragte hinter einer von mehreren Portalen durchbrochenen, gut 400 m langen Mauer in einem riesigen Hof Etemenanki, der Sagen umworbene „Turm zu Babel“ empor – ein Wunder seiner Zeit, das wir durch keilschriftliche und klassische Beschreibungen wenigstens den Maßen nach recht gut kennen. Er bestand aus fünf quadratischen Stockwerken. Auf ihrer obersten Plattform erhob sich ein zweistöckiger, mit blauen Glanzziegeln verkleideter Kultbau, das „Hochzeitsgemach“ Marduks und Sarpanitus. Die etwa das Maß der Pyramiden erreichende Gesamthöhe des Bauwerks betrug 90 m bei einer Grundfläche von gleicher Seitenlänge. Auf einer gewaltigen Freitreppe stieg man von Südosten her bis zu seiner Spitze empor, während die einzelnen Stockwerke durch an ihren Wänden angelehnte Einzeltreppen verbunden waren.

Ringsum in der heiligen Stadt erhoben sich weiter die Tempel der „Großgötter“, welche die babylonische Stadtbeschreibung auf 53 beziffert und die alle in quadratischer Rechteckform nach dem Prinzip der um einen oder mehrere Höfe geordneten Raumgruppen gebaut waren; überall standen an Straßenecken oder Plätzen die Zellen, in denen man bei den Prozessionen die Götterbilder abstellte. Zahllos waren in den Tempelhöfen, aber auch sonst allenthalben in der Stadt verstreut, die Altäre, an denen die Gläubigen bequem und jederzeit opfern und beten konnten.

Allein 180 von ihnen werden für Ishtar und ebenso viele zusammen für Adad und Nergal genannt. Gleichfalls am Euphrat, durch den Banitu-Kanla von den Bürgerquartieren getrennt und in unmittelbarer Nähe von Prozessionsstraße und Ishtar-Tor, erhob sich das riesige befestigte Stadtschloß der Chaldäerkönige mit seinen zahllosen Sälen, Hallen, Gängen und Kammern und dazu jenem „Museum“, in dem Nebukadnezar und seine Nachfolger nach der Mode der Zeit eine Menge von Denkmäler der Vergangenheit, von den Tagen der Schulgis von Ur an, gesammelt hatten und das den Babyloniern zur Besichtigung freigegeben war.
Die Nordburg ragte über den Zug der Stadtmauer bis zu einer Euphratkrümmung hinaus. Nebukadnezar ließ sich weiter 3 km östlich außerhalb der Stadt noch einen Sommerpalast bauen, dessen Ruinen heute den Namen „Babil“ tragen. Nicht nur der König, auch die Bevölkerung drängte über die Ummauerung hinaus: Zahlreiche Vororte schlossen sich im Umkreis an die Kernstadt an. Das war Babylon, „das „Tor Gottes“, nach der Erdkarte der Babylonier der Nabel der Welt und seit einem Jahrtausend der Vorort ihres Glaubens, und in seinen Mauern lief jetzt noch das Leben des Alltags Jahr um Jahr in den althergebrachten, sich kaum wandelnden Form ab.

An dieser Stellen wollen wir noch einige Besonderheiten Babylons separat genauer in Betrachtung ziehen.

Stadtanlage:
Babylon lag zu beiden Seiten des Euphrats, die Altstadt östlich, eine weitere Stadthälfte westlich des Flusses. Geschützt wurde es durch einen doppelten Mauerring, dessen innere Mauern ca.6,5m und dessen äußere ca. 3,5m stark waren. Im Abstand von etwa 17-18m erhoben sich abwechselnd Türme von 11 bzw. 4,5m Breite. Einlaß in die Stadt Babylon gewährten mindestens acht Doppeltore mit einer Länge von ca. 50m. allein die Altstadt umfaßt ein Areal von etwa2 1/4 km2, wovon ein großer teil auf die Paläste und Tempel entfiel. Einen weiteren Schutz bildete die Ostmauer von etwa 8 km Länge, die auch Anlagen außerhalb der Innenstadt deckte, wie etwa den Sommerpalast im Norden.

Heiligtümer:
Im Zentrum lag der zweiteilige Doppelkomplex des Gottes Marduk, des Schutzgottes der Stadt. Marduk empfing zum Frühjahrsbeginn die Standbilder in seinem Tempel ESAGILA zur elftägigen Feier des Neujahrsfestes. Das Fest diente der kultischen Einleitung des Jahres. Während die Rolle des ebenerdigen Tempels Esagila, in dessen Kapellen die Götterbilder Aufstellung fanden, klar ist, ist die Bestimmung des nördlich gelegenen Tempelturmes Etemenanki innerhalb des Kultes nicht endgültig sicher. Gerade ihm jedoch verdankt Babylon seine Berühmtheit.. Mit einer Seitenlänge von ca. 90m und etwa gleicher Höhe war Etemenanki jener „Turm zu Babel“, den Herodot bewunderte und den die biblische Überlieferung nennt. Gemauert aus Lehmziegeln mit einer Hülle aus gebrannten Tonziegeln, erhob er sich siebenstufig über das Land und stellte architektonisch einen Höhepunkt in der Tradition des Hochtempelbaus dar. In späteren Jahrtausenden der Ziegel beraubt und zerfallen, zeugen von ihm heute nur noch Fundamentreste und die Legende. Außer dem Hauptheiligtum gab es in der Stadt noch andere Tempel. Ebenfalls sind die in den Wohnvierteln gelegenen, bisher nicht freigelegten Kapellen, öffentliche Opferstätten und auch Familienheiligtümer hinzuzurechnen.

Profanbauten:
Zu den anderen herausragenden Bauten Babylons gehören die Paläste der Könige. Sie lagen im Norden, nahe dem Flußufer, innerhalb und außerhalb der Mauern. Der Königspalast Nebukadnezars beispielsweise war das Verwaltungszentrum der Stadt und des Reiches; hier befand sich südlich des Mittelhofes der riesige Thronsaal, an den Außenwänden mit Glasurziegelreliefs und -malereien geschmückt – ein Kleinod mesopotamischer Baukunst. Ein im Nordosten des Palastes gelegener Gewölbebau weist nach, daß die Anlage mehrstöckig errichtet war, was die erhebliche Mauerstärke sonst schon vermuten läßt.

Für die Wohnviertel bietet sich oft das orientalische Bild. Einige winklige Gassen, gelegentlich zu kleinen Plätzen erweitert, mit außen fensterlosen, oft nur einstöckigen Gebäuden. Ihre Grundrisse sind denen der Paläste sehr ähnlich. Der Hof, der als zentrales Element die Räume verband, war der Hauptwohnplatz der babylonischen Großfamilie. Er gewährte Luft und kühlenden Schatten – hier konnte gekocht und gebacken werden. Es war der Tagesraum der Familie, wogegen man die Nacht, zumindest in der warmen Jahreszeit, auf dem Dach verbrachte. Der Versorgung der Bevölkerung dienten ambulante Märkte, deren mobiles Inventar bisher nicht gefunden werden konnte. Ein zentraler Markt konnte ebenfalls bisher nicht gefunden werden. Ähnlich unklar bleibt die sanitäre Ver- und Entsorgung, wenn auch Wasserleitungen sowie Toiletten und Wasseranlagen bekannt sind.

Prozessionsstraße und Ishtar Tor

Prozessionsstraße und Ishtar Tor

Prozessionsstraße und Ishtar Tor

Die heute berühmteste Bauwerke Babylons sind die Prozessionsstraße und das Ishtar Tor. Sie lagen am Nordrand der Altstadt, wo der Zugang durch die Außenmauern der Paläste eingeengt worden war, so daß die Straße beiderseits von Wänden begleitet wurde. Das ergab die Möglichkeit den Straßenzug mit Glasurziegeln auszustatten. Der Grund hierfür ist im Verlaufe des Neujahrsfestes zu sehen. Durch sie hindurch führte am 11. Tag des Festes die Götterprozession auf ihrem Weg vom auswärtigen Festhaus zu den Tempeln im Zentrum. So sah der Besucher Babylons zwei Reihen schreitender Löwen – die Symbole der Göttin Ishtar – bevor er an das Tor gelangte. Auf einer Länge von ca. 180m befanden sich ehemals 120 Löwen, je 60 auf einer Seite. Die Straßenschlucht in einer Breite von mehr als 20m war dagegen 250m lang. Dieser eingefasste Teil der Prozessionsstraße war aber nur der kürzere, denn hinter dem Tor verlief sie bis zur Ecke des Heiligtums Etemenanki, um dann abbiegend an der Euphratbrücke zu enden. Ziel und Höhepunkt des äußeren Stadtteils war das Ishtar Tor. Einbezogen in den Prozessionsweg, hatte man es mit farbigen Reliefs versehen, die hier die gesamte Außenwand bekleideten. In drei Baustufen errichtet, zeigte die oberste Stufe farbige Drachen- und Stierdarstellungen – die Symbole der Götter Marduk und Adad.

Die hängenden Gärten von Shamiram

Babylon3„Nebukadnezar befahl, in der Nähe seines Palastes aus Steinen Anhöhen zu errichten, ihnen die Gestalt von Bergen zu geben und sie mit allerlei Bäumen zu bepflanzen. Auf Wunsch seiner aus Medien stammenden Gemahlin legte er ferner einen Garten an, wie sie in der Heimat seiner Frau üblich waren.“ Mit den hier von dem jüdischen Schriftsteller Flavius Josephus ( 37-100 n. Chr.) beschriebenen Gärten sind zweifellos die berühmten „Hängenden Gärten der Semiramis“ gemeint. Semiramis wird von den Autoren des Altertums als eine mit göttlichen Kräften begabte Frau geschildert – aber sie war nicht Nebukadnezars Gemahlin. Offenbar hat man die legendäre Figur der Semiramis erst später mit den Gärten von Nebukadnezars Frau in Verbindung gebracht. Denn an der Bauherrschaft des babylonischen Königs dürften keine Zweifel mehr bestehen. Als der deutsche Archäologe Robert Koldewey 1899 mit der Ausgrabung von Babylon begann, fand er in der Nordostrecke der Südburg einen Gewölbebau mit tiefem Brunnen, auf den die antiken Beschreibungen genau passten.

Der Überzeugung Koldeweys, die Fundamente der Hängenden Gärten vor sich zu haben, wurde bisher nicht ernsthaft widersprochen. Um „aufgehängte“ Gärten hat es sich allerdings nicht gehandelt – diese Bezeichnung dürfte wohl auf einem Übersetzungsfehler beruhen, denn das lateinische „pensilis“ hat zwar diese Bedeutung, kann aber auch „balkonartig“ heißen. Die Gärten von Babylon blühten auf einem terrassenförmig ansteigenden Bauwerk, einer Art von Dachgarten, den man künstlich bewässern konnte.

Es ist verständlich, dass die blühende Oase im Wüstenklima von Babylon Aufsehen erregte. Aber hätte nicht der Gedanke nahegelegen, den berühmten Turm zu Babel zum Weltwunder zu erklären? Als Alexander der Grosse nach Babylon kann, war der legendäre Turm schon verfallen. Die erste Weltwunderliste aber entstand erst 200 Jahre später.

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