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Die schwarzen Pharaonen

Die ausgebeuteten Nubien, die wie die Israeliten, von den Ägyptern versklavt und unterdrückt worden, schafften es mit List und Tücke den Thron beider Länder zu besteigen.

Der Segen des großen Gottes Amun-Re ruht auf seinem irdischen Sohn – dem Pharao. Und damit auf dem ägyptischen Volk.
Geschehen ist das im sechsten von insgesamt 25 Regierungsjahren des Pharaos Taharqa. Und berichtet darüber wird in einem der eindrucksvollsten Texte, die eingemeißelt auf Steinplatten, je in Ägypten gefunden wurden.
Auch von einer anderen Begebenheit ist darauf die Rede.
Zur Feier der reichen Ernte und auf dem Höhepunkt seiner Macht bekommt Pharao Taharqa hohen Besuch. Mit großem Gefolge reist die Königsmutter Abala »süß an Liebe« nach Theben. Das erste Treffen nach langen Jahren der Trennung. Und als die alte Dame »die Schönheit ihres Sohnes«, geschmückt mit zwei Kronenschlangen, erblickt, »jubelt sie über alle Maßen«.

Berichte über große Ereignisse und über Feierlichkeiten, mit denen ein Pharao seinen Glanz für die Nachwelt erhalten will, gibt es viele. Aber dieser hier weist Besonderheiten auf: Ausdrücklich werden Regenfälle außerhalb Ägyptens, in Nubien, erwähnt. Eine Königsmutter reist aus dem Süden heran, um ihren Sohn zu sehen. Und der Sohn trägt nicht nur einen Uräus, sondern gleich zwei Königsschlangen. Was hat das zu bedeuten?

Es ist das Jahr 684 v. Chr. Nach einer langen Ära der politischen Zersplitterung ist Ägypten wieder vereint. Die Residenzstadt Memphis und das spirituelle Zentrum Theben leuchten wie in den besten Zeiten des Reichs. Diese Dynastie, die als 25. von insgesamt 33 in die Chronik des alten Ägypten eingehen wird, stellt Historiker bis heute vor große Rätsel.
Denn ihre Pharaonen sind keine Ägypter, sondern Schwarzafrikaner. Nubier. »Zopfträger, die sich in Tierfelle kleiden, mit Kraushaar und sonnenverbranntem Gesicht«, wie sie bezeichnet wurden.

Wie konnte es eine Gruppe von ehemaligen Sklaven es schaffen das geteilte Land Ägypten wieder im hellen Glanz erleuchten zu lassen?

Die archäologische Erforschung des heutigen Sudan, der Heimat der schwarzen Pharaonen, steht noch ganz am Anfang„, erklärt Dr. Sylvia Schoske. Erst vor so kurzer Zeit kam es heraus, dass fünf Dynastien Schwarzafrikaner wahren.

Es gibt aber noch viele Rätsel, die die Herrschaft der Nubier über Ägypten mit sich bringt.
Wie haben sie die edelmütigen ägyptischen Gotteskinder von Thron geschmissen?
Woher hatten sie all ihr Wissen übers Regieren eines Landes, wo sie doch nur Sklaven waren?

Um das vielschichtige Phänomen besser zu verstehen, ist eine Zeitreise in die ägyptische Vergangenheit nötig. Im zweiten Regierungsjahr von Pharao Thutmosis (1504 – 1492 v. Chr.) am 15. Tag des 2. Monats der Jahreszeit Achet kommt es tief im Süden zu einer verheerenden Schlacht.
Ein zeitgenössischer Text:
»Die Bogenschützen von Nubien, im Gemetzel gefallen, liegen in den Ebenen. Ihre Eingeweide – der König hat mit ihnen ihre Täler gefüllt. Ihr Blut strömt wie ein Platzregen. Raubvögel schleppen Leichenteile davon, und das Krokodil stürzt sich auf die Fliehenden …«

Wie oft in ihrer langen Geschichte sind die Ägypter auch im Jahr 1503 v. Chr. erbarmungslos gegen Nubien vorgegangen. Haben ihren Machtbereich weit über die traditionelle südliche Landesgrenze in Höhe des heutigen Assuan ausgedehnt. Diesmal schaffen es die Truppen des Pharaos sogar bis auf Höhe des dritten Nilkatarakts. Dort hat sich das kleine nubische Königreich Kerma entwickelt, das jetzt vernichtend geschlagen wird. 763 Jahre später wird südlich von hier eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten in der Geschichte des Niltals den Thron besteigen: Piye, die Gründerfigur der schwarzen Dynastie.

Razzien, Beutezüge, Invasionen, Kolonialisierung, Strafexpeditionen gegen Rebellen: Über viele Jahrhunderte versuchen die Pharaonen, Nubien in die Knie zu zwingen – militärisch, kulturell und spirituell. Um ihre Macht im Land Kusch, wie Nubien auch genannt wird, zu sichern, bauen sie gewaltige Tempel und Zitadellen. Stellen die einverleibten nubischen Gaue unter die Regentschaft von Vizekönigen, die zu den engsten Vertrauten und höchsten Beamten des Pharaos gehören.
Doch Nubien bleibt ein Unruheherd. Aufstände, Intrigen und Überfälle machen den Ägyptern das Leben schwer. Wie fragil ihre Macht dort ist, zeigt sich, sobald die Pharaonen mit inneren Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
Dann heißt es »heim ins Reich« für die Besatzungstruppen, die Schreiber, Beamten und Priester. Dann verfallen die Tempel und Bauwerke, verwittern die hochfahrenden Inschriften der Eroberer.

Nubien: ein heißes Wüsten- und Savannengebiet auf beiden Seiten des Nils. In einer gewaltigen S-Schleife erzwingt sich der Strom hier seinen Weg durch felsige Barrieren (Katarakte) mit gefährlichen Stromschnellen. Hohe Tafelberge, zerklüftete Trockentäler, keine fruchtbaren Grüngürtel wie stromabwärts im reichen Ägypten– ein unwirtliches Land. »Lieber schneide man mir die Zunge ab oder schicke mich nach Kusch«, lautet eine alt-ägyptische Redewendung für besonders unbeliebte Aufgaben.
Was also zieht die Ägypter immer wieder hin? Antwort: Angst und Gier.
Angst: Die nubischen Bogenschützen sind berühmt-berüchtigt. Sollten sie mit anderen Wüstenvölkern Allianzen bilden, wäre das eine schwere Bedrohung. So wird alles getan, um sie nicht nur unter Kontrolle zu bekommen, sondern in die eigene Armee zu integrieren.
Gier: Ausgerechnet in Nubien befindet sich eine der reichsten Goldminen des östlichen Afrika. Hier kreuzen sich große Karawanenwege, bilden sich Umschlagplätze für Waren, die das luxussüchtige Ägypten über alles liebt:
Ebenholz, Spezereien, Straußenfedern und Leopardenfelle, mit denen sich der Pharao und seine Priester zu besonderen Gelegenheiten kleiden.
In welchem Maß die Ägypter das Land ausbeuten, verrät ein Text, in dem sich Setau, Vizekönig Nubiens unter Ramses II., rühmt:
»Ich brachte jede Abgabe des Landes Kusch doppelt ein und zog die Lieferungen ein wie Sand am Meer.«

Parallel zu ihrer Ausbeutungspolitik entwickeln die Ägypter eine Propaganda, die ein hässliches Bild von ihren Nachbarn zeichnet. Sich selbst bilden sie immer mit idealisierten Gesichtszügen ab. Die Nubier aber bekommen eine niedrige Stirn verpaßt, tiefe Nasenfalten und wulstige Lippen. Am liebsten zeigt man sie auf dem Boden kriechend, mit hinter dem Rücken gefesselten Händen. Nubische Köpfe werden auch auf die Sohlen königlicher Sandalen gemalt oder zieren die untere Spitze von Spazierstöcken – so kann man sie bei jedem Schritt symbolisch zertreten.
Eine frühe Form von Rassismus? Wohl eher eine Mischung aus kulturellem Hochmut und magischen Vorstellungen.
Dr. Sylvia Schoske: »Den alten Ägyptern erschien jedes Volk minderwertig und gleichzeitig bedrohlich, das nicht die Gesetze ihrer Kultur befolgte.«
So leben die Nubier nicht in einem zentral verwalteten Staat, sondern noch weitgehend in Stammesverbänden. Und vor allem: Sie haben keine eigene Schrift. Für ein schriftverliebtes Volk wie die Ägypter eine geistige Katastrophe!

Neben der oft blutigen Unterdrückung und der offiziellen antinubischen Propaganda existiert aber auch noch eine andere Wirklichkeit. Über Jahrtausende sind Nubien und Ägypten durch Tauschhandel, Heiraten, eine gemeinsame Lebensader (den Nil) und letztlich auch ihre gemeinsame Heimat, den afrikanischen Kontinent, verbunden.
Ägypten zwingt den Nachbarn im Süden nicht nur eigene Vorstellungen auf, sondern teilt mit ihnen afrikanisches Lebensgefühl. Auch die Präsenz »sonnenverbrannter Gesichter« in ihrem Land ist für Ägypter so selbstverständlich wie für uns heute unsere »ausländischen Mitbürger«.
Dr. Sylvia Schoske: »So, wie wir unsere griechischen Gemüsehändler und türkischen Dönerlokale nicht missen möchten, konnten sich die Ägypter einen Alltag ohne Nubier wohl kaum noch vorstellen.«

Nubische Frauen sind beliebt als Kindermädchen und Köchinnen. Fast die gesamte Polizei Ägyptens besteht aus Nubiern, in der Armee bringen es die Schwarzen auf teilweise hohe Posten. Die Söhne nubischer Häuptlinge werden am Hof des Pharaos als »Haremspagen« erzogen, lernen ägyptische Lebensart. Ob nur gezwungenermaßen als Teil der Ägyptisierungspolitik oder auch auf Wunsch der nubischen Oberschicht, läßt sich nicht so genau sagen.
Die Pharaonen selbst haben nubische Nebenfrauen und daher halb-schwarze Kinder. Und einmal, in der 12. Dynastie, schafft es der Sohn einer Nubie-rin sogar auf den Thron.

Zeitreise wieder ein paar Jahrhunderte vorwärts: Um 1000 v. Chr. ist Ägypten nicht mehr wiederzuerkennen. Es gibt keine zentrale Verwaltung und auch keinen Pharao. Das Reich ist in zahllose kleine Stadtstaaten und Fürstentümer zersplittert. Und es sind keine Ägypter, sondern libysche Eindringlinge, die, ausgehend vom Nildelta, allmählich bis nach Oberägypten die Macht übernommen haben.
Das sie sich nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen, hat einen simplen Grund:
Durch konsequente Heiratspolitik sind die Kleinkönige und Warlords allesamt miteinander verschwägert. Auch der wichtige Posten der so genannten »Gottesgemahlin« – der thebanischen Hohepriesterin – wird mit libyschen Prinzessinnen besetzt. Bis heute ein Rätsel: der müde Gleichmut, mit dem das ägyptische Volk diesen Zustand scheinbar erträgt. Jedenfalls sind aus dieser Ära keine »Klagetexte« überliefert, wie sie aus früheren Zerfallszeiten bekannt sind.

Während es im Reich also bergab geht, ist in Nubien etwas ganz anderes im Gang. Unerwartet, fast blitzartig entsteht um 1000 v. Chr. im Schatten des heiligen Berges Gebel Barkal, (in der Nähe des
vierten Nil-Katarakts), um die Stadt Napata herum, ein neues Königreich: Kusch.
Der Ägyptologe Timothy Kendall: »Ursprung und Aufstieg dieses Reichs aus einem unbekannten nubischen Stammesverbund zu einem Staat nach ägyptischem Zuschnitt, der in seiner Blütezeit ein Reichsgebiet vom Zusammenfluss des Weißen und des Blauen Nils bis zum Mittelmeer umfaßt, bleibt eines der geheimnisvollsten Phänomene in der Geschichte des Niltals.«

Bis heute liegen die Anfänge dieses Königreichs im Dunkeln. Aber eines scheint sicher: Noch bevor die Könige von Kusch ihre Hände nach Ägypten ausstrecken, leben und gebärden sie sich auffallend ägyptisch. In den Tempeln wird dem ägyptischen Gott Amun geopfert. Alara, der erste namentlich bekannte Fürst, beginnt damit, ägyptische Verwaltungsstrukturen aufzubauen. König Kashta, sein Neffe und Nachfolger, startet die Eroberung Oberägyptens. Und dessen Sohn Piye wiederum vollendet die Arbeit: Er unterwirft auch die libyschen Fürsten in Unterägypten, vereint Ägypten, macht den Thron frei für die schwarze Dynastie.

Was aber treibt die Nubier nach Ägypten? Woher beziehen sie ihre Kraft?
Der Gebel Barkal: ein frei stehender Tafelberg, weithin sichtbar, etwa 1,5 Kilometer vom Nil entfernt. Er ragt direkt hinter der antiken Stadt Napata auf, am Ortsrand der modernen Stadt Karima. Senkrecht aufragende Felswände über den heute sandverwehten Tempeln und Palästen – ein atemberaubender Anblick! Besonders auffällig: Eine 74 Meter hohe, frei stehende Felsnadel am Südhang. Wie eine sich aufbäumende Königsschlange sieht er aus.
Seit Urzeiten ist der Gebel Barkal ein heiliger Berg. Wohnsitz eines widderköpfigen Wüstengotts, dessen Namen wir nicht kennen. Für die ägyptischen Eroberer aber war klar: Dieser Berg gehört Amun, unserem Staatsgott. Um ihre Machtposition in Nubien auch spirituell zu untermauern, erklärten sie den Gebel Barkal zur Urheimat Ägyptens und ihres Gottes Amun.

Ironie der Geschichte: Nun greifen die Nubier ihrerseits diese Theologie auf, als Legitimation für ihren eigenen Anspruch auf Ägypten. Ein zynisches Machtkalkül?
»Sicher nicht nur«, sagt der Heidelberger Ägyptologe Jan Assmann.
Eher ein geistiger Geniestreich – und eine echte Vision. Die schwarzen Pharaonen sind von einer religiösen Idee beseelt:
Vom Bild eines heiligen Großreichs am Nil, das – glauben sie – schon einmal in mythischen Urzeiten existiert hat. Nicht als Feindesland werden sie deshalb Ägypten betreten, sondern als heiligen Boden. Und nicht als fremde Eroberer und Rächer für vergangene Schmach wollen sie über Ägypten herrschen – sondern als »Söhne Gottes«, gekrönt mit zwei Königsschlangen als Symbol für die endlich wieder vereinten Reiche des Amun.
Piye, mit dem die Geschichte der schwarzen Dynastie beginnt, hält sich allerdings noch zurück: Er nennt sich »nur« Großkönig, nicht Pharao. Und er reist zwar oft nach Ägypten, lebt und regiert aber weiter in Kusch. Was weiß man über diesen Mann, der in seiner langen Regierungszeit (ca. 747 – 716 v. Chr.) Ägypten wieder zur Einheit führt?

Er liebt Pferde und hat viele Frauen (in Umkehrung zur bisherigen Geschichte: Neben seinen nubischen Haupt-, nun ägyptische Nebenfrauen).
Er ist tief religiös. Gleichzeitig Priester und Herrscher. Wer seinen Palast zur Audienz betreten will, muss sich komplizierten Reinigungsritualen wie in einem Tempel unterziehen. Doch seine Frömmigkeit hindert ihn nicht daran, notfalls dem Himmel seinen Willen zu diktieren.
Wahrscheinlich unter dem Vorwand einer Wallfahrt nach Theben zwingt er die dort residierende »Gottesgemahlin«, seine eigene Tochter als Nachfolgerin zu adoptieren. Damit sichert er sich und seiner Dynastie die Herrschaft über Theben. Sich selbst beschreibt er als mildtätigen König, der einen gerechten Krieg führt und seine Feinde gut behandelt: Keine nächtlichen Überfälle, Kampf nur bei Tag und nach vorheriger Ankündigung. Und wenn der Gegner Aufschub wünscht, soll der gewährt werden. Ob Piye allerdings wirklich so gütig war, weiß niemand so genau. Immerhin heißt es in zeitgenössischen Texten über ihn auch: »Da wurde der König grimmig wie ein Panther.«

Nach dem Tod Piyes (713 v. Chr.) beginnt die eigentliche nubische Dynastie. Insgesamt vier schwarze Pharaonen werden über Ägypten und Nubien herrschen. Jetzt residieren sie im ägyptischen Memphis, werden zum Sterben aber immer in ihre nubische Heimat zurückkehren. Eine Blütezeit für Ägypten, das für 56 Jahre wieder »richtig« ägyptisch wird. Schon die altägyptischen Thronnamen, die sich die neuen Herrscher geben, sind Programm.
Dr. Sylvia Schoske: »Für das Volk damals wahrscheinlich so überraschend wie für uns heute, wenn sich ein Bundeskanzler plötzlich Julius Cäsar nennen würde.«

Die schwarzen Pharaonen renovieren und erweitern die Tempel, führen die traditionellen Feste wieder ein, festigen die altbewährten Verwaltungsstrukturen und sind dabei klug genug, wichtige Posten nicht systematisch mit Nubiern zu besetzen. Auch die blutleer gewordene Kunst findet jetzt zu einer neuen Blüte.
Bildhauern, Holzschnitzern und Malern gelingt es, die nubische Erscheinung ihrer neuen Herrscher zu respektieren, und sie dabei doch »klassisch« darzustellen. In jener idealisierten Schönheit, die eines Pharaos würdig ist.
»Mag sein, dass es den Nationalisten, die es im alten Ägypten immer auch gegeben hat, schwer fiel, unter schwarzen Herrschern zu leben«, sagt Dr. Schoske, »die meisten Ägypter aber werden hochzufrieden gewesen sein.«
Denn es herrscht Wohlstand, relativer Frieden. Weder Trockenperioden noch Hungersnöte sind aus diesen »fetten Jahren« bekannt. Eine gute Zeit, die ihren Höhepunkt unter dem eingangs erwähnten Pharao Taharqa (Regierungszeit: 690 – 664 v. Chr.) erreicht.

Doch der Untergang ist nahe. Unter seinen schwarzen Königen erlebt Ägypten zwar eine Renaissance, eine Verjüngungskur. Aber es hat bereits eine fast dreitausendjährige Geschichte hinter sich. Im Norden, im Westen, im Osten, überall sind jüngere, ehrgeizige Völker herangewachsen, die – anders als die Kuschiten – keinen Respekt vor alten Kulturen haben. Aber dafür um so mehr Machthunger. Allen voran die Assyrer (aus der Gegend des heutigen Irak).
Immer wieder fallen sie in Nordägypten ein. Im Jahr 669 v. Chr. zwingen sie Pharao Taharqa zum Rückzug nach Nubien, das er seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen hat. Alles verliert er an den Feind: sein Heer, seine ägyptische Hauptstadt, seine Lieblingsfrau und seine Söhne.

Der Sturz des geliebten Pharaos ist für Ägypten eine Katastrophe, ein Trauma. Die Verwüstung ihres Landes durch die Assyrer erleben sie als eine Wiederkehr des Chaos, der Mächte der Dunkelheit. 664 v. Chr. stirbt Taharqa. Er wird in Nubien begraben, auf der Westseite des Nils. Da der Fluss hier aber eine große Schleife zeichnet, liegt das Grab tatsächlich im Osten – dem Ort des Sonnenaufgangs und der Wiedergeburt. Ein Zeichen, dass der Pharao und mit ihm das Volk auferstehen werden?

Die Hoffnung bleibt unerfüllt: Taharqas Nachfolger Tanwetamani kann zwar 663 v. Chr. Ägypten zurückerobern – doch bereits ein Jahr später wird er endgültig von den Assyrern vertrieben. Das ist das Ende der schwarzen Pharaonen. In ihrer nubischen Heimat, fern vom Mittelmeer und von Ägypten, werden die Kuschiten noch über viele Jahrhunderte die ehrwürdigen Traditionen des alten Pharaonenreichs hüten und pflegen. In Ägypten selbst hat für die nächsten 139 Jahre die von den Assyrern eingesetzte 26. Dynastie das Sagen.
Danach kommen die Perser, dann die Griechen und die Römer. Doch vergessen werden die schwarzen Pharaonen in Ägypten nicht. Sie leben weiter in Legenden von »heiligen Männern« aus »Äthiopien«, wie das Land Kusch später genannt wird. Gottessöhne, einst gekommen, um dem Volk am Nil Leben und Kultur zu schenken.

(Dieser Beitrag ist in der P.M. erschienen)

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