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Mystische Bauwerke

Der Koloss von Rhodos
Der Koloss von Rhodos war die größte Bronzestatue der Alten Welt. Doch wie die meisten der sieben Weltwunder der Antike hat auch der Koloss die Jahrtausende nicht überdauert. Nichts blieb von ihm als fragmentarische Erwähnungen in antiken Quellen – und sein unvergänglicher Mythos.

Trotzdem versuchen Wissenschaftler seine Form und den Platz, an dem er stand, zu ergründen. Bei aller Unsicherheit kann die Forschung einiges über den Koloss berichten: So hatte er eine Höhe von 30 bis 35 Meter. Anlass seiner Errichtung war der Abbruch der Belagerung von Rhodos durch Demetrios Polykletes (304/3 v.Chr.).
Die Rhodier feierten dies als Sieg und errichteten zu Ehren des Stadtgottes die riesige Figur. Zwölf Jahre dauerte der Bau der Bronzestatue, die im Inneren mit Steinen verstärkt wurde. Ganze 66 Jahre stand der Koloss, dann stürzte ihn ein Erdbeben. Die Überreste sammelten im Jahr 653 Araber ein und verkauften das Material. Zur Lokalisierung gibt es zwei große Theorien. Die klassische Variante vermutete den Koloss am Hafen. Die meisten künstlerischen Darstellungen zeigen den Koloss breitbeinig über der Hafeneinfahrt. An Schönheit und suggestiver Kraft nicht zu überbieten, fehlt dieser Variante eigentlich nur eines – die historische Evidenz. Die zweite Theorie vermutet die Kolossalstatue ganz woanders. Es ist eine Heliosfigur (deshalb auch der Strahlenkranz). Der naheliegendste Platz wäre also das Heliosheiligtum. Das aber liegt nicht am Hafen, sondern (vermutlich) inmitten der alten Stadt.
Beide Theorien können bis dato keine archäologischen Beweise vorweisen. Zur Art der Herstellung ist Philon von Byzanz eine ausführliche Quelle. Philon behauptet, der Koloss sei vor Ort Schicht für Schicht gegossen worden. Dies widerspricht jedoch unserem modernen Wissen über Bronzeguss. Zeitgenössische Vergleichstücke werden allesamt aus Teilen zusammengesetzt, was die Herstellung von Modellen und Gussformen erlaubt. (Quelle:P.M.)

Osterinseln
Einleitung
Inmitten des Pazifischen Ozeans liegt eine kleine Insel, gerade einmal 25 km lang, die ihre Geheimnisse erfolgreich bis heute vor uns zu verbergen gewusst hat. Die Rede ist von der Osterinsel – dem Eiland mit den zahllosen Steinskulpturen, die uns so seltsam anmuten.

Wer sind die Erbauer dieser geschichtsträchtigen Monumente? Wer sind die Bewohner der Osterinsel, woher kommen sie und warum haben sie sich genau dieses gottverlassene Stück Land zum Leben ausgesucht? – Wir wissen es nicht. Es gibt jedoch eine Reihe von wohldurchdachten Theorien, die die Geschichte der Osterinsel wenigstens ungefähr erklären mögen. Im folgenden sollen die wichtigsten Fragen, die die Osterinsel betreffen, beantwortet werden.
Entdeckung

Im 18. Jahrhundert war es zentrales Ziel aller Handelsmächte, ihren Besitz zu vergrößern und ihre Macht auszudehnen. Dazu bedienten sie sich ihrer Kolonien und so wurden laufend Entdeckungsfahrten unternommen, um neues Land zu akquirieren und die Landkarte der Erde zu vervollständigen. Seit der Antike hielt sich das Gerücht, dass es südlich des Äquators einen riesigen Kontinent geben müsse, der bislang unentdeckt geblieben war. Der holländische Admiral Jakob Roggeween kreuzte im Jahre 1722 im Auftrag einer finanzkräftigen Handelsorganisation auf hoher See auf der Suche nach diesem sagenumwobenen Reich. Und die Überraschung folgte prompt: Der Admiral und seine Crew erkannten am Horizont tatsächlich die Konturen des vermeintlichen Kontinents. Was sie jedoch gefunden hatten, war nicht der gesuchte Südkontinent, sondern eine kleine Insel, an der sie neugierig an Land gingen. Weil diese Entdeckung genau am Osterfest geschah, nannte der Admiral das unbekannte Land „Paasch-Eyland“ – Osterinsel.

Von den Gegebenheiten auf der Osterinsel kann man sich mit Hilfe der Tagebüchern der Mannschaft ein gutes Bild machen. Der Milzsergeant Karl Friedrich Behrens veröffentlichte die Ereignisse später in einem eigenen Buch. Er beschreibt, die ertragreiche Bodennutzung und über die Bewohner sagt er, sie seien „durchgehend munter, wohlgestalt, stark an Gliedern, nicht ganz mager, und doch hurtig an den Füßen, freundlich und anmutig an Gebärden; […] der Farbe nach waren sie bräunlich, ungefähr wie ein Spanier, doch findet man derselben auch einige schwärzer, auch teils ganz weiß; wie nicht minder derselben auch einige rot, gleich als wären sie von der Sonne etwas stark verbrannt. Ihre Ohren waren so lang, dass sie ihnen bis auf die Schultern hingen.“ Diese Beschreibung deutet darauf hin, dass Behrens Polynesiern begegnet ist, wohl durchsetzt mit anderen ozeanischen Rassen. Außerdem faszinierten ihn die riesigen Götterbilder, „welche allda in einer großen Menge am Strande aufgerichtet stunden; vor welchem sie niederfielen und sie anbeteten. Diese Götzenbilder waren alle aus Stein gehauen und der Form nach wie ein Mensch, mit langen Ohren, oben auf dem Haupt mit einer Krone gezieret, doch alles nach der Kunst gemacht, worüber wir uns nicht wenig verwunderten“.
Nach einer anderen Theorie stammen die Einwohner aus Südamerika, das jedoch wesentlich weiter entfernt ist. Thor Heyerdal unternahm jedoch, um seine Vermutung zu beweisen, 1947 mit einem Floß die abenteuerliche Fahrt von der Küste Perus zu den ostpolynesischen Inseln. Er sieht bei den Steinskulpturen Ähnlichkeiten mit den Exemplaren einiger südamerikanischer Völker und erklärt, dass nur durch eine Besiedlung von Osten aus die Süßkartoffel auf die Insel gelangt sein konnte.
Warum die Einwohner ihre Heimat verließen, um jenseits des Meeres wieder ansässig zu werden, liegt im Dunklen. Es soll Überlieferungen geben, nach denen sie sich vor einer großen Sintflut retten mussten, die ihr Land bedrohte.

Der zweite Besuch
Im März 1774 bot sich dem englischen Forscher James Cook jedoch ein ganz anderes Bild. Die Felder waren nicht mehr bestellt, die Statuen zum großen Teil umgestoßen und die einst wohlhabende Bevölkerung lebte nun in ärmlichen Verhältnissen. Die Einwohnerzahl war auf nur noch ungefähr 600 Männer und 30 Frauen gesunken, wo früher abertausende lebten. Die vormals typischen „Langohren“ waren nur noch vereinzelt anzutreffen. Wie aus Berichten hervorgeht, wurden die „Langohren“ wohl in einer Art Bürgerkrieg von einer kurzohrigen Rasse kurz zuvor vernichtend geschlagen.
Warum dieser Krieg ausbrach, darüber kann man nur spekulieren – wahrscheinlich kam eine Rasse erst später hinzu und wurde zunächst freundlich aufgenommen; als später die Rohstoffe der Insel nachließen, kam es zu territorialen Streitigkeiten, die in einem öffentlichen Konflikt eskalierten. Walter-Jörg Langbein führt in seinem Buch „Das Wissen der Alten“ eine andere Erklärung an: Als eines Tages ein Langohr starb und die Kurzohren die Bitte abwiesen, ihn auf ihrem Land bestatten zu lassen, waren die Langohren derart erbost, dass sie sich ihre Konkurrenten durch einen Hinterhalt entledigen wollten. Dazu hoben sie einen langen Graben aus, den sie mit trockenem Holz anfüllten. Jedoch plauderte die Frau eines Langohrs den Plan aus und so konnten die Kurzohren einen Überraschungsangriff starten, wodurch die Langohren in das zuvor entflammte Holz getrieben wurden und somit selbst Opfer ihres hinterlistigen Plans wurden. Ein Großteil der Langohren soll dabei ums Leben gekommen sein.
Dass es sich hierbei nicht um ein Märchen handelt, bewies Dr. Carlyle S. Smith 1955. Schließlich sollte ein solcher Zusammenstoß ja seine Spuren in der Erde hinterlassen haben. Die Forscherin konnte den Ort tatsächlich ausfindig machen und auch Hinweise auf ein Feuer ausmachen.
Bevölkerungsschwund

Als dann 1862 Sklavenhändler aus Peru die Insel eroberten und fast alle Männer mitnahmen, um sie auf Plantagen arbeiten zu lassen, bildete sich jedoch von Seite des englischen Königreichs und der Kirche, die hier missionieren wollte, derart starker Widerstand heraus, dass sich die Entführer gezwungen sahen, die Männer wieder zurückzubringen – freilich waren die meisten auf dem Transport erkrankt und kehrten nicht mehr in die Heimat zurück. Die übrigen brachten die Pocken auf die Insel, die ein übriges zur Dezimierung der Bevölkerung beitrug.

Die Steinplastiken
Das Wahrzeichen der Osterinseln sind zweifelsohne die unzähligen menschenähnlichen Steinstatuen, die an der Küste aneinandergereiht stehen. Sie wurden in den Seinbrüchen die aus den Vulkan auf der Osterinsel mit einfachen Steinkeilen herausgemeißelt wurden.
Die Insel lässt sich übrigens in zwei Regionen einteilen: Der Bildhauerberg „Rano-Raruku“ und das Kult-Zentrum „Orongo“, die sich am südwestlichen Fuße des Vulkans Rano-Kao befindet. Auch heute noch kann man mit einem Blick in den Steinbruch erkennen, wie schnell der Bruderkrieg angelaufen sein muss – überall liegen noch unfertige Skulpturen in allen Fertigungsstadien in ihrem Steinbett, manche nur noch mit einem schmalen Saum am Fundament befestigt. Die Insulaner müssen die Arbeiten von ein auf den anderen Tag abgebrochen haben.

Es stellt sich auf jeden Fall die Frage, warum die Ureinwohner der Insel sich die mühsame Arbeit machten, Stein zu behauen, anstatt wie Völker auf anderen Erdteilen sich mit Metall und Holz beschäftigten. Nun, zum einen gibt es auf der Osterinsel keine Erzvorkommen und nach der Ansicht von manchen Wissenschaftlern waren die vorhandenen Holzreserven wohl nicht ausreichend, um über Rodungen über mehrere Jahrhunderte zuzulassen. Wie sie jedoch in Folge dessen die Kolosse ohne Holz an die Küsten transportieren sollten, ist ebenso ein Rätsel. Es mutet schon ein wenig phantastisch an: Die Steinmetzen haben tonnenweise erkaltete Lava aus dem Fels herausgeschlagen – mit ihren bloßen Händen und kleinen Steinfäustlingen, wie die Mehrzahl der Wissenschaftler behauptet; gerade so, als wäre das Gestein butterweich. Tatsächlich fanden sich im Steinbruch noch die postulierten Arbeitswerkzeuge. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie aus einer anderen Zeit stammen: Der Amerikaner Frank Joseph datiert den Erstellungstermin der Skulpturen auf vor tausenden von Jahren, während die Meißel erst ein paar hundert Jahre alt sind. Wahrscheinlich haben sie die Nachfahren benutzt, in der Hoffnung an die Erfolge ihrer Urväter anknüpfen zu können. Schließlich mussten sie jedoch feststellen, dass ihnen dazu das Wissen fehlte.
Verlorenes Wissen

Wie bereits angedeutet ist ein Großteil des Wissens der Alten verlorengegangen. Die Geheimnisse sind Fremden nicht anzuvertrauen, weshalb der letzte Eingeweihte 1914 an Lepra verstarb. Katherine Routlege, die damals die Insel erforschte, konnte ihm nichts neues entlocken. Der einzige Schlüssel scheinen Holztafeln zu sein, die mit seltsamen Symbolen bekritzelt sind. Es ist die Schrift der Osteinsulaner, die die Wissenschaft bis heute vor Probleme stellt. Die eingeritzten Zeichen stellen nämlich keine Buchstaben dar, sondern sind eigentlich Ideen. Darum gibt es keine richtige Übersetzung für ein Zeichen – man muss es „verstehen“. Darum waren auch nur die Priester befugt, mit ihr in Berührung zu kommen – für das normale Volk war die Schrift ein Tabu.

Wäre es nicht schon so schwer genug, kommt noch hinzu, dass die Schrift von unten nach oben gelesen wird, wobei die unterste Zeile von links nach rechts verläuft, die nächste dagegen von rechts nach links, usw. (sog. Boustrophedon; extrem selten) Rongo-Rongo, wie sie die Einheimischen nennen, ähnelt der Schrift der Indus-Kultur, die irgendwann vor 4 Jahrtausenden ihren Höhepunkt hatte. Die Polynesier könnten sie schließlich auf Rapa-Nui gebracht haben, wo im 19. Jahrhundert mit dem Tod des letzten Priesters die Osterinsel ihre Geheimnisse für immer und ewig begraben hat.

Orakel
Einleitung
Gibt es so etwas wie Schicksal? Ist der Lebensweg eines Menschen vorbestimmt? Viele sind dieser Ansicht. Sie wollen sich jedoch nicht wehrlos diesem Weg beugen, sondern versuchen, sich selbst zu verwirklichen.
Dazu bedienen sie sich sogenannter Orakel, um wichtige Entscheidungen leichter treffen zu können oder zu erfahren wie ihr Leben enden wird.
Es ist ein psychisches Drama, das sich in jedem Menschen abspielt. Er sieht sich im Konflikt zwischen Entscheidungspflicht und dem beschleichenden Gefühl, dabei etwas falsch zu machen. Etwas, das Folgen haben könnte.
Kein Wunder also, dass sich der Mensch zu jeder Zeit bemüht hat, sein Schicksal „in die Hand zu nehmen“ und um jede Kleinigkeit dankbar war, die ihm dabei nützlich erschien. Rational betrachtet ist natürlich nichts dahinter und darum musste schon so mancher seine (bittere) Erfahrung mit dem Spiel um die Zukunft machen.

Orakel von Delphi
Das älteste Orakel steht in Delphi – das stimmt, soweit wir es zumindest wissen. Vermutlich hat es jedoch Orakel schon zu allen Zeiten gegeben; spätestens als sich die ersten Zivilisationen der Hochkulturen entwickelten. Die Wahrsagungspraktiken verbinden sich nämlich indirekt mit Religion, Kult und Götterglaube – Dinge, die charakteristisch für eine jede Zivilisationen sind. Leider sind aus den Anfängen der „Orakelei“ jedoch keinerlei Zeugnisse erhalten. Wir können jedoch auf den riesigen Fundus griechischen Materials zurückgreifen, da die Griechenlands Gelehrte bekanntlich sehr früh mit ihren Aufzeichnungen begannen.

Das vielzitierte Orakel von Delphi wurde zum dritten Mal 548 v. Chr. neu aufgebaut, da es zuvor durch einen Brand zerstört worden war. Das heißt aber, dass an den Hängen des Gebirges Parnaß schon wesentlich früher Weißsagungen stattgefunden haben müssen.
Der wohl populärste Fall ist heute in jedem Geschichtsbuch nachzulesen: Der Lyderkönig Krösus wollte vor seinem Feldzug gegen die Perser auf „Nummer sicher“ gehen und schickte deshalb mehrere Gesandtschaften zu den damals wichtigsten Orakeln in der bekannten Welt, um schriftlich die Antworten einzuholen; währenddessen saß er prunkvoll vor einem Eisenkessel, indem das Fleisch eines Lammes und einer Schildkröte garten. Sein Vertrauen konnte das Orakel von Delphi gewinnen, weil die Pythia, wie Herodot Jahre später in seinen „Historien“ aufschrieb, folgendes melden ließ:
„Weiß ich doch der Sandkörner Zahl und die Masse des Meeres,
Selbst den Stummen vernehm´ ich, und den Nichtsprechenden hör´ ich,
Duft von Schildkröte ward mir bewusst, dem gepanzerten Tier,
Die in ehernem Kessel gekocht wird, und Stücke von Lammfleisch,
Erz ist darunter gelegt, und Erz wird ruh´n auf dem Kessel.“
Das angeführte Erz bezieht sich auf das Eisen, das sich auf dem Kessel in Form eines Eisendeckels befand. Von dieser genauen Beschreibung war Krösus außerordentlich beeindruckt. Vielleicht war er zu blauäugig, dass er den restlichen Antworten zu viel Glauben schenkte. Auf seine Frage nach dem Ausgang des Perserkrieges bekam er zur Antwort:
„Wenn du den Halys (heute: Kizilirmak) überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören“. Krösus verstand es als eindeutige Siegeserklärung für sein Heer und marschierte in Richtung Persien.
In der Tat zerstörte Krösus ein großes Reich im Kampf mit den Persern. Dass es sein eigenes war, hätte er sich wohl aber nicht träumen lassen. Der Perserkönig Kyros konnte die entscheidende Schlacht durch einen militärischen Trick für sich entscheiden und Krösus gefangen nehmen und töten.

Wie gelangte Pythia zu ihrem Wissen? Wer war sie überhaupt? Man sagte, sie erhalte ihre Informationen direkt von Apollon, dem Gott der Weissagung, wenn sie sich in Trance befand. Die letzte Auskunft erteilte sie übrigens im Jahre 362 n. Chr. dem Arzt Oribasisus, der von Kaiser Julianus aus wissen wollte, ob die Orakelstätte eine Zukunft hätte, angesichts der sich dem zum Christentum zuwendenden Welt. Die Antwort: „Künde dem König, das schöngefügte Haus ist gefallen. Phoibos Apollon besitzt keine Zuflucht mehr, der heilige Lorbeer verwelkt, / Seine Quellen schweigen für immer, verstummt ist das Murmeln des Wassers“. Ihr Ende hat Pythia richtig vorhergesagt: Sechs Jahre danach war der Tempel zerstört. Arkadios, Sohn des Kaisers Theodosius, veranlasste den Abriss des Orakels von Delphi.

Pythia
Angesichts der Tatsache, dass das Orakel von Delphi mindestens ein Jahrtausend bestanden hatte, ist klar, dass es „die“ Pythia nicht gab. Vielmehr waren während seiner Blütezeit immer mehrere Pythien gleichzeitig im Amt. Man wählte dazu junge, jungfräuliche Mädchen aus dem Volk um das 15. Lebensjahr. Später wurden sie von Frauen reiferen Alters abgelöst, weil sich die zarten Schönheiten nach mehreren Übergriffen nicht mehr in ihrer Haut sicher fühlten.

Der Ritus, bevor es zur Weissagung kam, war kompliziert und ausgeklügelt.
„Geleitet von zwei Priestern begab sich die Pythia zunächst zur heiligen Quelle Kastalia, wo sie nackt ein reinigendes Bad nahm. Von einer zweiten Quelle, jener von Kassotis, trank die Seherin sodann einige Schlucke heiligen Wassers. In Begleitung von zwei Oberpriestern und den Hoisoi, den Mitgliedern des „Fünfmännerrates“ des Orakels, ging die Pythia anschließend in den Apollon-Tempel.
Um die Zustimmung des Gottes zum Orakel zu erfahren, bedurfte es jetzt noch eines Omens. Ein Oberpriester besprengte ein Zicklein mit eisigem Wasser. Blieb es ruhig, fiel das Orakel an diesem Tag aus, und die Klientel musste sich einen weiteren Monat gedulden. Zuckte es zusammen, dann wurde es als Opfertier geschlachtet und auf dem Altar verbrannt. […] Die Pythia wurde jetzt vor den Altar der Hestia geführt, auf dem aus einem Fichtenholzfeuer berauschender Qualm aufstieg. Hier wurden Weihrauch, Laudanum, Bilsenkraut und anderes halluzinogenes Räucherwerk verschwelt. Die Pythia inhalierte den Qualm und versank in Trance. Zwei Priester fassten sie an den Oberarmen, brachten sie ins Adyton, die etwas vertiefte eigentliche Orakelzelle mit nacktem Erdboden, und setzten sie auf den berühmten dreibeinigen hohen Hocker, von dem sie – sogar halb betäubt – nicht herunterfallen konnte, da er eine tiefe Sitzmulde besaß.“ (Felix R. Paturi, Die großen Rätsel unserer Welt)
Ein weitverbreiteter Irrglaube ist es, dass die Pythia über einer Erdspalte saß, aus der berauschende Dämpfe austraten. Das war definitiv nicht der Fall. Es kann schon aus geologischen Gründen in diesem Gebiet keine Erdspalte entstehen. Wahrscheinlich ist es mehr symbolisch verwirklicht worden – in Form einer kleinen Aushöhlung, die als Mittel zur Kontaktierung von Ge, der Erdgöttin, angesehen wurde.
In dieser Trance beantwortete die Seherin Orakelfragen. Weil es sich hierbei um eine anstrengende Arbeit handelte, wurde sie nach einigen Stunden abgelöst. Da der Andrang meist sehr groß war, blieb ein ausführliches Orakel nur gehobenen Gästen mit reichliche Geschenken vorbehalten, die meisten anderen Leute mussten sich mit einem Binärorakel („Ja“ / „Nein“) zufrieden geben. Hierbei wurde aus einem Korb mit weißen und schwarzen Bohnen zufällig eine gezogen – die Wahrscheinlichkeit, dass die richtige Antwort gegeben wurde, lag also exakt bei 50 %.

Andere Orakel
Wahrsagungen lassen sich in Kategorien einteilen. Die häufigsten Varianten sind in der Übersicht zu sehen:

Die am häufigsten praktizierte Form ist das Volksorakel. Hier versucht man Vorzeichen zu provozieren, wobei nur die Verfahrensweise in den verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich ist. Das Brotkugelorakel ist zum Beispiel für junge Mädchen interessant, die sich nicht für einen Liebhaber entscheiden können. Sie schreiben die Namen der Kandidaten auf kleine Zettel, die sie in Brotkügelchen einwickeln. Diese werfen sie dann in ein Glas Wasser, wodurch sich der Brotteig langsam auflöst. Der Zettel, der als erstes an die Oberfläche schwimmt, ist dann dem Volksglauben nach der Richtige. Sogar Diebe wurden vor einiger Zeit mit dieser Methode ermittelt. Meistens handelt es sich hierbei zugleich um Binärorakel, die nur zwei Antworten zulassen. In diese Kategorie fallen damit auch das Münzewerfen, das Würfeln oder Blumenblätterzählen in der Art „er liebt mich … er liebt mich nicht … er liebt mich …“. Die Trefferquote liegt bei dieser Form in der Regel bei 50 %, was genau der statistischen Wahrscheinlichkeit des Verfahrens entspricht. Einzige Ausnahme bilden Medien, die durch ihre besonderen Fähigkeiten den Ausgang des Orakels unbewusst bestimmen.

Auch Omendeutungen können zu den Binärorakeln zählen. In Delphi wurde etwa das Zicklein mit Wasser besprengt, um herauszufinden, ob der Gott dem Orakel zustimmte. Dennoch sind Omen eine eigenständige Form der Orakel. So fallen heute viele Aberglauben in diese Kategorie: Die schwarze Katze, die den Weg von links nach rechts kreuzt und das vierblättrige Kleeblatt, das man findet, sind die populärsten Vertreter dieser Kategorie. Aber auch schon die Römer kannten die Omendeutung. Damals hatte sich der Glaube verbreitet, durch das Eingeweidelesen von Opfertieren, Blitzdeutung und Vogelschau könne man die Zukunft vorhersagen. Eine etwas mulmig stimmende Anekdote existiert in Verbindung mit Cäsar. Als der Haruspex Spurinna Vestricius am 10. März 44 v. Chr. den römischen Herrscher zur Vorsicht mahnte, lachte dieser noch darüber. Nicht mehr lachen konnte er fünf Tage später, als er sich leichtsinnig und unbewaffnet in die Kurie begab und von Meuchelmördern aus dem Weg geräumt wurde. Der Opferschauer hatte bei dem Tier eine fehlgebildete Leber entdeckt und kein Herz gefunden.

Nicht zu den Omen zählen die seit den letzten Jahrhunderten so beliebten Praktiken wie Kaffeesatzlesen und Bleigießen. Hierbei handelt es sich um eidetische Orakel. Das Verfahren sieht vor, sich bildende Formen und Farben intuitiv zu deuten und daraus zukünftige Ereignisse zu erschließen und Horoskope zu erstellen. Der in der Psychoanalyse angewandte Tintenkleckstest funktioniert nach dem selben Prinzip. Die Versuchsperson soll das Unterbewusstsein zu Wort kommen lassen und so eine sonst unterdrückte Ansicht zu Tage kommen lassen.

Noch einen Schritt weiter gehen Visionsorakel, bei denen versucht wird, das Bewusstsein noch weiter in den Hintergrund zu drängen und das Unterbewusstsein übernehmen zu lassen. Sämtliche Wahrsager, die wie begannt auf Glaskugeln, magische Spiegel oder Spiralfiguren starren, bis sie in einen Zustand der Halbtrance fallen, verfahren so. Um neben dem visuellen Sinn auch die anderen Sinne zu benebeln, kann man Räucherwerk und meditative Musik hinzunehmen. Der Trancezustand führt dann weiter zur Möglichkeit der außersinnlichen Wahrnehmen (ASW), wobei bei diesem Thema Kritiker und Anhänger immer wieder hart aufeinanderprallen. Ist doch mit diesem Ausdruck auch die Geistreise verbunden, die bereits im Kapitel Astralprojektion besprochen wurde.
Eine interessante Unterart sind sogenannte Déjà-vue-Erlebnisse. Fast ein jeder hat schon einmal gefühlt, dass er die gegenwärtige Situation schon einmal zuvor durchlebt hat. Die Gegenwart kommt einem dann unnormal bekannt vor und jedes weitere Ereignis verstärkt den Eindruck. Man sucht dann minutenlang nach Erinnerungen, kann aber nicht auf den Ursprung zurückschließen. Dieses Thema entzieht sich bis heute der wissenschaftlichen Betrachtung, da solche Erlebnisse absolut unwillkürlich und nicht reproduzierbar auftreten. Es ist jedoch auf alle Fälle ein gutes Gefühl; jeder sollte sich selbst genau beobachten.

Rationaler Ansatz?
Der Wahrheitsgehalt eines Orakels lässt sich nur schwer bemessen. Während viele Verfahrensweisen schlicht zufällig „richtig“ oder „falsch“ liegen, gibt es komplizierte Praktiken, wo man in Erklärungsnot gerät. Die Versuche, den Orakeln den Mythos zu nehmen und sie rational mit unserem physikalischen Wissen zu erklären schlagen regelmäßig fehl – kein Wunder, wie will man auch etwas übernatürliches mit rationalen Mitteln erklären? Jeder Naturwissenschaftler wird bestätigen, dass es abseits seines Wissens noch Dinge gibt, die er nicht erklären kann.
Orakel zählen zweifelsohne dazu.

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