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Die Geschichte des Tantalus

In Lydien, einem Landstrich, der heute zur Türkei gehört herrschte König Tantalus.
Es gab keinen reicheren König als ihn. Aus dem Berg Sipylos gewann er Gold, seine Felder erstreckten sich zwölf Tagesreisen weit und die Ähren darauf waren doppelt so schwer wie auf anderen Feldern.
Auf saftigen Weiden hüteten Scharen von Hirten riesige Viehherden. Auch die Götter schenkten dem Tantalus ihre Gunst. Er dufte sogar mit den Göttern auf dem Olymp speisen und sich an ihren Gesprächen beteiligen.

Dennoch war er ein Sterblicher. Auch für ihn spann die Schicksalsgöttin Klotho den Lebensfaden. Die Schicksalsgöttin Lachesis wickelte den Faden auf und die dritte, Atropos, wartete darauf, ihn abzuschneiden. Aber an den Tod dachte Tantalus nicht.

Ich nehme an den Gastmählern der Götter teil“ sagte er sich „und unterscheide mich in nichts von ihnen. Sie kredenzen mir göttlichen Nektar, ich speise mit ihnen göttliches Ambrosia und höre, wovon sie reden. Kein Mensch kann daran zweifeln, dass auch ich ein Gott bin.

-Du bist nicht allwissend!- meldete sich in Tantalus das Gewissen.
Das bin ich nicht„, gab er zu, „doch wer weiß, ob die Götter allwissend sind. Ich will es ausprobieren und mich überzeugen.

Damals hatte gerade ein verwegener Bursche aus dem Zeustempel auf Kreta einen wertvollen, goldenen Hund gestohlen. Der Bursche brachte den Hund zu Tantalus, denn dieser fürchtete sich nicht vor den Göttern. Doch der König brachte den Hund nicht zurück sondern versteckte ihn im Palast. Ein Priester des Zeus kam ins Schloß, erbost über die Tat des Tantalus.
Der Priester bat um Herausgabe des goldenen Diebesgutes. Der König bestritt, dass er den Hund hat. „Wenn die Götter allwissend sind, so würden sie mich strafen wenn ich ihn hätte.

Der Priester zog unverrichteter Dinge ab und der König war überzeugt, dass die Götter nur so täten als wären sie allwissend. In Wirklichkeit wüssten sie nicht mehr als die Sterblichen.

Indess wussten die Götter sehr wohl von jeder Tat des Tantalus – aber sie warteten, ob der verblendete König nicht doch der Wahrheit vor der Lüge, der Ehrlichkeit vor dem Diebstahl und der Gerechtigkeit vor dem Unrecht den Vorzug geben würde.

Tantalus Vermessenheit wuchs und wuchs. Schon genügte es ihm nicht mehr, dass er Nektar trinken und Ambrosia essen durfte. Er stahl göttliche Getränke und Speisen vom Tisch der Götter und trug sie auf die Erde, zu den Menschen. Mit jeder seiner Taten spottete er der göttlichen und menschlichen Gesetze. Zum Schluss aber dachte er sich eine furchtbare, unerhörte Tat aus.

Er ermordete seinen Sohn Pelops und lud die Götter zu einem Mahl in seinen Palast ein. Zum Mahl sezte er den Göttern das Fleisch des Pelops vor. Demeter, die Erntegöttin, aß geistesabwesend ein Stück der Speise, aber die anderen Götter sprangen entsetzt von der Tafel auf.

Auch Tantalus erschrak. Nun war er gewiss, dass die Götter allwissend waren, fiel vor ihnen nieder und flehte um Erbarmen. Mit seinem letzten Verbrechen hatte er jedoch das Maß seiner Übeltaten voll gemacht. Göttervater Zeus schleuderte den entmenschten Tantalus in die tiefste Unterwelt, in den Tartaros. Für seine Missetaten verurteilte er den Tantalus zu ewigen Qualen.

Im Totenreich steht Tantalus in klarem, frischem Wasser. Kaum bückt er sich, um die vertrockneten, aufgesprungenen Lippen zu benetzen, verschwindet das Wasser unter seinen Händen, und er berührt nur trockenen Sand.
Über ihm wächst auf den Zweigen das herrlichste Obst, doch Tantalus kann seinen quälenden Hunger nicht stillen. Kaum streckt er die Hand nach einer Birne, Feige oder einem Granatapfel aus, hebt ein Windstoß die Zweige, und das Obst verschwindet in der Höhe.
Über Tantalos´ Haupt hängt ein riesiger Felsblock, der jeden Augenblick auf ihn herabzustürzen droht. Ewige Todesangst schnürt Tantalus die Kehle zu.

Die Götter warfen die Überreste des Pelops in einen Kessel, aus dem ihn die Schicksalsgöttin Klotho noch schöner, als er vorher war herauszog. Nur ein Stückchen Schulter fehlte ihm, jenes Stück, das Demeter in ihrer Zerstreutheit gegessen hatte. Die Götter ersetzten das fehlende Stück mit einem Stück Elfenbein. Und alle Nachkommen Pelops´ haben seit je her an der Schulter einen weißen Fleck.

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